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Rebranding CDSH

CASE STUDY

Die Contemporary Dance School Hamburg, kurz CDSH, ist eine Schule für zeitgenössischen Bühnentanz. Tanzbegeisterte kommen aus aller Welt, um hier ihre Ausbildung zum Bühnentänzer bei international renommierten Dozenten zu absolvieren.

Täglich lehrt das Team der CDSH seine Schülerinnen und Schüler, wie sie Gefühle, Stimmungen und komplexe Begrifflichkeiten in eine visuelle Körpersprache übersetzen und ausdrücken können.

Wie passte es da, dass das Corporate Design der CDSH so »leise« und charakterlos war? Dass die Website zu 90 Prozent aus Text bestand? Dass man beinahe vergeblich nach Fotos, Videos und Menschen suchte? Das alles würde sich ändern …

www.cdsh.de

01 — Was macht die CDSH?

Die Contemporary Dance School Hamburg ist eine staatlich anerkannte Berufsfachschule für zeitgenössischen Bühnen­tanz – und die einzige ihrer Art in Norddeutschland. Die Ausbildungs-Schwerpunkten liegen auf Contemporary Dance, Ballett, Modern Dance und Improvisation.

Schulleiter Javier Báez (Mexiko) und der künstlerische Leiter Raul Valdez (Santo Domingo) haben ein Ausbildungs­programm geschaffen, das eine hochwertige und den realen Anforderungen gerecht werdende Vorbereitung auf den Beruf des professionellen Bühnentänzers garantiert. Unterstützt wird das Leitungsteam von Sina Rundel, die auch als Dozentin an der CDSH tätig ist.

Leitungsteam der CDSH
02 — ¡Hola!

Im Herbst 2015 erreichte mich die Anfrage der CDSH für die Neugestaltung ihrer Website. Einer ihrer Schüler, Julian Lange, den ich als eine Hälfte von Julian und Juliane kennen lernen durfte, war auf die Schulleitung zugegangen und hatte mich für den Relaunch der CDSH-Website vorgeschlagen.

Ein Blick auf ihre bestehende Website verriet, dass dieser auch dringend nötig war. Das Design passte für mein Empfinden überhaupt nicht zur CDSH: zu kleinteilig, zu »leise«, nicht responsive, zu bieder, zu charakterlos. Vor allem aber vermisste ich schon beim ersten Besuch der Website eine Komponente, die für mich substanziell war. Mehr dazu weiter unten.

Wir vereinbarten ein Treffen für ein Kennenlernen und Kickoff-Meeting.

Das erste Treffen

Das erste Treffen bei der CDSH lief großartig. Javier und Raul konnten mich sofort mit ihrer Begeisterung für ihre große Leidenschaft, das Tanzen, anstecken. Mir war klar: Die brennen für ihre Arbeit – und ich wollte unbedingt mit dieser herzlichen und chaotischen Truppe arbeiten!

Mal unter uns: Javier und Raul sind Künstler durch und durch. Künstler haben ihren eigenen Kopf und starke Meinungen … und manchen wohnt eine gewisse Attitude inne, die die Zusammenarbeit für einen Designer zum Desaster machen kann. Diese mir im Hinterkopf kreisende Befürchtung sollte sich später als unbegründet herausstellen.

Während unseres Treffens sprudelten die beiden nur so vor Ideen und Wünschen. Zu Hause angekommen betrachtete ich mit etwas Abstand die drei DIN-A4-Seiten, reflektierte und begann damit, die Punkte auszusieben, zu ordnen und um Ideen zur Umsetzung zu ergänzen.

Notizen zum Relaunch der Website

Die Aufgabe

Prima, die Chemie stimmte also und wir hatten im Kickoff-Meeting bereits einige Ideen gesammelt, die die neue Website enthalten sollte. Zusammengefasst waren die wichtigsten Wünsche der CDSH:

  • Großzügigeres, freieres Design
  • Mehr Fotos und Videos
  • Intuitivere Usability und Navigation
  • Einfaches Erstellen von Blogartikeln
  • Responsive Design
  • Hausschrift und »Logo« sollten bleiben

Alles in allem eine perfekte Grundlage für die weitere Zusammenarbeit. Es konnte also mit der Konzeption weitergehen.

03 — Das neue Gesicht der CDSH

Obwohl zunächst war nur der Relaunch der Website geplant war, habe ich beim neuen Designkonzept darauf geachtet, dass es sich leicht auf andere Kanäle übertragen lässt.

Das neue Konzept drehte den Status quo beherzt auf links. Der Schule fehlte es in meinen Augen bisher an Dingen, die für mein Empfinden substanziell für die CDSH sind: Ausdruck und Dynamik, zwei Kernelemente der Arbeit eines Bühnentänzers. Ein Tänzer drückt sich aus, projiziert, visualisiert.

Alles musste lauter, expressiver, visuell fordernder werden und dabei dynamisch, frei und leicht bleiben. »In your face« anstelle von »Excuse me«.

Die Bausteine

An diesen Gedanken orientiert sich das neue Erscheinungsbild. In der Umsetzung lässt sich das durch Bausteine erreichen, die zwar aufeinander abgestimmt, aber modular und flexibel einsetzbar sind. Keine feste Position des Logos, keine definierte Farbe der Headline.

Das Corporate Design passt sich Medium, Zielgruppe und Thema/Motto an, ähnlich wie ein Bühnentänzer, der seine Stimmung sekundenschnell anpassen und anders ausdrücken muss.

Pangramme, gesetzt in der Futura

Typografie

Die Hausschrift Futura sollte beibehalten werden. Sie wurde bisher überwiegend in leichten Schriftschnitten und ohne Kontraste eingesetzt. Das neue Designkonzept setzt die Futura wesentlich dynamischer sein, spielt mit dem starken Kontrast zwischen leichten und ultrafetten Schnitten.

Versalien verleihen Headlines noch mehr Druck und Power. Die Schrift ist von Weißraum umgeben, der ihr Luft zum Atmen und Wirken lässt.

Formen und Farben

Die markante Formensprache setzt überwiegend auf ein quadratische Format. Durch das gleiche Seitenverhältnis ist das Quadrat einerseits ein spannendes Format, andererseits steht es für sich ohne Aussage, wodurch es alle Aufmerksamkeit auf das Motiv lenkt.

Farbliche Reduktion trifft auf eine Bilderwelt, deren authentische Motive so vielfältig sind wie die tägliche Arbeit an der CDSH. Freigestellte Motive von Tänzern in kraftvollen Posen stehen im Kontrast zu den großzügig einsetzten Fotos, interagieren mit Weißraum und sorgen für Leichtigkeit und Dynamik.

Markante Typo, dynamische Bilder
CDSH – Raum für Menschen

Die Menschen

Als wichtigste Neuerung im aufgefrischten Corporate Design der CDSH habe ich die Menschen stärker in den Mittelpunkt gerückt. Sie sind das wichtigste Puzzleteil im Gesamtbild, aus dem sich die Schule zusammensetzt. England, Spanien, Lateinamerika, Russland, Japan, … an der CDSH treffen Schüler aus aller Welt auf international renommierte Dozenten. Das ist Multikulti pur!

Egal ob Schulleitung, Dozenten, Absolventen oder aktuelle Jahrgänge – ihnen allen wird in verschiedenen Kanälen nunmehr genügend Raum gegeben.

04 — CDSH 4.0

So weit, so gut. Das übergeordnete Designkonzept stand. Zunächst schickte ich jedoch das neue Website-Konzept und Screendesign an die CDSH – jedoch nicht, ohne das Ganze vorher noch einmal zu hinterfragen. Es waren Künstler – wie würden sie wohl darauf reagieren, dass plötzlich jemand ihr gewohntes Corporate Design nimmt und »über den Haufen wirft«? Das neue Konzept war zwar intuitiver, wesentlich nutzerfreundlicher und passte optisch besser zur CDSH, aber es blieb ja so gut wie kein Stein auf dem anderen.

Nach drei Tagen dann die Antwort:

Feedback zum Entwurf der Website

Damit war der Startschuss für die Umsetzung offiziell gefallen. Ich informierte »meinen« Entwickler Hanno van Bruinehsen, der in diesem Projekt für die technische Umsetzung zuständig war, und stellte ihm sämtliche Designs und Assets bereit.

Die Umsetzung erfolgte mittels Wordpress, da die CDSH ihre Inhalte selbst pflegen und den Blog regelmäßig mit Neuigkeiten füttern wollte. Ein paar Monate später war die Website bereit zum Launch – rechtzeitig zu den Aufführungen der Abschluss­projekte 2016, die quasi gleichzeitig als Launch-Party genutzt wurden.

Ein paar vorher-/nachher-Fotos:

05 — Viele Teile, ein Ganzes
Feedback zum Launch der Website

Die neue Website der CDSH bekam viel positives Feedback von Dozenten, Schülern und Außenstehenden. Insbesondere die Schülerinnen und Schüler fühlen sich wertgeschätzt, da sie nunmehr mit eigenen Jahrgangs-Unterseiten, eigenen Projekten sowie den Abschlussprojekten den größten Teil der Sitemap einnehmen.

Kurz nach dem Relaunch der Website kam die CDSH erneut auf mich zu, um die Imagebroschüre und die Keyvisuals für die Abschlussprojekte in Flyern, Plakaten und Programmheften zu entwickeln. Jedes Projekt steht unter einem Jahresmotto, das die Schülerinnen und Schüler in ihren Choreografien verarbeiten, zum Beispiel »Lust«, »Einerseits Andererseits« und »Das Rauschen«.

Das Designkonzept, das bereits auf der Website Anwendung fand, konnte problemlos auf die Printsachen übertragen werden: quadratische Flyer und Programmhefte für die Aufführungen arbeiten mit großzügigen Fotos und markanter Typografie.

Auf diese Weise ergeben viele Teile ein Ganzes – nämlich ein authentisches Brand Design mit hohem Wiedererkennungswert … und ganz viel Raum für Menschen.

Gemeinsam ein neues Projekt starten?